Melatonin – das Schlafhormon

Melatonin, das Schlafhormon Melatonin steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Melatonin ist eine körpereigene Substanz, die für den Schlaf und die Regulation der inneren Uhr wichtig ist. Kein Wunder, dass das Schlafhormon heute ganz gezielt für guten Schlaf genutzt wird. Während Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin z. B. bei Jetlag helfen können, in den eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus zurückzufinden, bieten rezeptpflichtige Arzneimittel mit retardiertem Melatonin die Möglichkeit einer effektiven Behandlung von Schlafstörungen.

Melatonin: Der Taktgeber für die innere Uhr

Melatonin gilt als „Schlafhormon“, weil es den Tag-Nacht-Rhythmus („zirkadianer Rhythmus“) des Organismus reguliert. Der natürliche Botenstoff wird in einem Teil des Zwischenhirns (Zirbeldrüse) produziert und bei Dunkelheit ausgeschüttet. Er signalisiert dem Körper, dass Schlafenszeit ist und unterstützt die nächtliche Schlafbereitschaft. Die höchsten Melatonin-Konzentrationen werden nachts zwischen zwei und vier Uhr erreicht, danach sinkt der Melatonin-Spiegel wieder ab. Licht hemmt die Melatonin-Ausschüttung. Gut zu wissen: Die körpereigene Produktion des Schlafhormons geht mit fortschreitendem Alter langsam zurück – so ist es nicht verwunderlich, dass ältere Menschen besonders häufig an Schlafproblemen leiden.

Melatonin zum Einnehmen

Heute sind verschiedene Präparate erhältlich, die synthetisches Melatonin enthalten.

Wichtig: Zugelassene und in ihrer Wirksamkeit klinisch geprüfte Melatonin-Präparate sind in Deutschland verschreibungspflichtig und unterliegen strengen Qualitätskriterien. Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin sind in Deutschland verboten – daher ist es äußerst ratsam, die Finger von zwielichtigen Internetquellen zu lassen.

Rezeptpflichtige Melatonin-Präparate enthalten den natürlichen Wirkstoff in retardierter Form. Das heißt konkret, dass die Freisetzung über mehrere Stunden hinweg erfolgt und so die biologische Melatoninproduktion im Körper imitiert werden kann. Aufgrund der schlafanstoßenden Wirkung und der Erhöhung der Schlafneigung kann der Arzt diese Melatonin-Tabletten bei bestimmten Patientengruppen als Schlafmittel verordnen. Der biologische Schlaf-Rhythmus kann so auf natürliche Weise stimuliert und die Schlafqualität wirksam verbessert werden.

Tipp: In vielen Fällen sind Melatonin-Retardpräparate erstattungsfähig, sodass die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

Retardiertes Melatonin:
Vorteile wissenschaftlich belegt

Experten weisen immer wieder auf die Vorteile von Präparaten hin, die Melatonin verzögert freisetzen, also retardiertes Melatonin enthalten. Auch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen haben sich bereits dem Thema „retardiertes Melatonin“ gewidmet und die Besonderheiten unter anderem hinsichtlich Wirkdauer und Sicherheit herausgearbeitet.1,2,3

Hintergrundinformationen zur Wirkdauer von Melatonin

Melatonin besitzt eine relativ kurze Halbwertszeit von 20-50 Minuten. Das heißt: Das zugeführte Schlafhormon wird schnell wieder abgebaut.

Präparate mit Melatonin in nicht-retardierter Form

  • Präparate, die Melatonin in nicht-retardierter Form enthalten, haben ihr „Wirkmaximum“ bereits nach 60 Minuten erreicht – danach sinkt der Melatonin-Spiegel rasch wieder ab.
  • Präparate mit nicht-retardiertem Melatonin können daher meist nur die Einschlafzeit verkürzen, haben aber keinen Einfluss auf das Durchschlafen und die Anzahl der Schlafdauer insgesamt (z. B. häufiges Aufwachen nach Mitternacht trotz Einnahme keine Seltenheit)2

Verschreibungspflichtige Arzneimittel mit retardiertem Melatonin

  • Verschreibungspflichtige Arzneimittel mit retardiertem Melatonin setzen Melatonin über mehrere Stunden hinweg verzögert frei – der Melatonin-Spiegel kann über mehrere Stunden gehalten werden.
  • Auf diese Weise lässt sich sowohl die Einschlafdauer verkürzen, als auch das Durchschlafen und die Schlafdauer gesamt verbessern.

Tabelle: Retardiertes und schnell freigesetztes Melatonin in direktem Vergleich

Die wichtigsten wissenschaftlichen Ergebnisse zum direkten Vergleich von retardiertem Melatonin und schnell freigesetztem Melatonin finden Sie hier:

Nahrungser-
gänzungs-
mittel mit schnell freigesetztem Melatonin
Zugelassene, verschreibungs-
pflichtige Arzneimittel mit retardiertem Melatonin
Anerkannte pharma-
zeutische Qualität
NEIN JA
Klinisch geprüfte Wirksamkeit NEIN JA
Sicherheits-
monitoring (auch Langzeit-
studien)
NEIN JA
Bei Einschlaf-
störungen geeignet
JA JA
Bei Durchschlaf-
störungen geeignet
NEIN JA
Für Kinder zugelassen NEIN NEIN*
* Die Zulassung von retardiertem Melatonin für Kinder wird derzeit wissenschaftlich geprüft. Erste positive Studienergebnisse zum Einsatz von retardiertem Melatonin bei Kindern mit neurologischen Entwicklungsstörungen liegen bereits vor.2
Gut zu wissen: Auch weiterführende Einsatzgebiete von retardiertem Melatonin (über die Behandlung von Schlafstörungen hinaus) sind derzeit in der Diskussion. So konnte unter anderem gezeigt werden, dass Patienten mit nächtlichem Bluthochdruck – einer der Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall – von der ergänzenden Einnahme von retardiertem Melatonin profitieren können, während schnell freigesetztes Melatonin hier keinen positiven Einfluss zu haben scheint. Langzeitergebnisse bleiben hier noch abzuwarten.1

Fazit

Der direkte Vergleich zwischen Arzneimitteln mit retardiertem Melatonin und Präparaten mit normal freigesetztem Melatonin zeigt, dass entsprechende Arzneimittel gerade in Bezug auf Sicherheit, Qualität und Wirkdauer deutlich überlegen sind.

Dementsprechend eindringlich warnen Experten vor der Verwendung von nicht zugelassenen Nahrungsergänzungsmitteln mit normal freigesetztem Melatonin. Lassen Sie sich dazu auch von Ihrem behandelnden Arzt beraten.

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1 Grossmann et.al. (2011) Effect of melatonin on nocturnal blood pressure: meta-analysis of randomized controlled trials.
2 De Leersnyder et al. (2011): Prolonged-release melatonin for children with neurodevelopmental disorders.
3 Phillips et al. (2004) Systematic review of melatonin treatment in children with neurodevelopmental disabilities and sleep impairment.
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